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1

Thursday, May 24th 2012, 7:32am

Ehrensache

Hallo,

folgenden Brief möchte ich vorstellen, der mir vor einigen Tagen in die Hände kam:

Ortsbrief von München vom 1. April 1849 - Inhalt siehe Scan.
Bezeichnet ist der Brief nicht etwa als "Parteisache" oder "Regierungssache" o.ä. -sondern als "Ehrensache". Den Fleck unter dem Titel "Professor" als Taxierung zu deuten, wäre wohl etwas vermessen, daher gehe ich davon aus, dass die Beförderung unentgeltlich erfolgte.
Kennt jemand in der Leserschaft einen ähnlichen Brief - oder weiß jemand gar "Ehrensache" in diesem Zusammenhang zu deuten ?

Beste Grüße
Postgeschichte-kemser
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2

Thursday, May 24th 2012, 8:24am

Hallo PK

Eine gute Antwort habe ich vielleicht nicht, aber intuitiv denke ich an eine Ehrenssache als eine nicht gewerbliche Schreiben an der Professor. Dann wohl auch nicht ein Portofreiheitsvermerk. Aber hier liege ich vielleicht falsch.

Sonst sieht es für mich aus ob es hier ein Streifband war - sind die Flecken unter "Professor" Leimflecken?

Sicherer kann ich es nicht sagen, aber vielleicht hat anderen besser Wissen oder andere Ideen. :)

Viele Grüsse
Nils
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

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3

Thursday, May 24th 2012, 9:07am

Hallo Schorsch,

die Formulierung "unter Allerhöchstem Schutze" heißt im Klartext, dass der bayer. König involviert war und seine Majestät dem Ansinnen des Vereins höchst wohlwollend gegenüber gestanden haben musste. Daher könnte man zur Beurteilung des Briefes mit DS - Charakter die Verordnungsblätter von 1845, Seite 146 und von 1847, Seite 97 unterstellen, in denen geregelt war, dass "Vereine zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse, resp. gemeinfaßlicher Schriften ... bei gehöriger Deklaration derselben auf der Adresse und sonst formrichtiger Ausfertigung bei Brief- und Fahrpost portofrei" bleiben konnten.

Den Terminus "Ehrensache" habe ich noch nie gesehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

4

Thursday, May 24th 2012, 9:25am

"Vereine zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse, resp. gemeinfaßlicher Schriften ... bei gehöriger Deklaration derselben auf der Adresse und sonst formrichtiger Ausfertigung bei Brief- und Fahrpost portofrei"
Hallo bayern klassisch

Heisst es hier dass Vereine unter königlichen Schutz für den Zweck "Verbreitung nützlicher Kenntnisse" nicht automatisch die gängige Franchisen brauchten?

Es kann ja sein dass "Ehrensache" erlaubtes Wort war, dann ist alles in Ordnung, aber wenn nicht - wie konnte der Postbeamter wissen dass alles hier ok für eine Portofreiheit war.

Viele Grüsse
Nils
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5

Thursday, May 24th 2012, 9:30am

Hallo zusammen,

so plausibel die Anwort von @bk ist, so berechtigt ist die Frage von @nils. Ich denke aber, dass eben nicht nur dieser eine Brief aufgegeben wurde sondern dass zur gleichen Zeit dutzende, wenn nicht hunderte gleicher (vorgedruckter) Schreiben raus gingen. Verwunderlich ist aber, dass der Brief als Drucksache dennoch versiegelt war.

Beste Grüße
Postgeschichte-Kemser

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6

Thursday, May 24th 2012, 9:38am

Hallo zusammen,

ich war halt damals nicht dabei, aber wenn eine Note von der kgl. Kanzlei an die heimische Aufgabepost in München diese Versendungen avisiert, dann war die Franchise ziemlich egal.

Wie Schorsch schreibt, ich halte das auch für gut möglich, hat man vermutlich allein für München und Umgebung hunderte von diesen Schreiben gedruckt; man brauchte nur eines der Post zu zeigen, so dass diese erkennen konnte, was es war und die anderen dann auch verschlossen als DS verschicken. Die Portofreiheit blieb ja in jedem Falle erhalten, wie man auch sieht. Die Schmutzflecken haben mit einer Taxe auch nichts zu tun, denn Ortsbriefe hätten 2x gekostet, franko oder porto als Lokalgebühr. Diese sehe ich nicht.

Was für dergleichen Schreiben eine "gängige Franchise" war, weiß ich nicht - üblich für mich wären auf keinen Fall R.S., weil es mit einer staatlichen Regierungssache nicht in Einklang zu bringen gewesen wäre und eine Franchise, die der Sache nahe kommt, kenne ich eigentlich nicht. Nur unter einer Ehrensache verstehen ich heute auch etwas anderes, aber das mag vor 160 Jahren noch eine andere Bedeutung gehabt haben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

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