You are not logged in.

Posts: 19,248

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

41

Wednesday, July 19th 2017, 8:06pm

P.S. Die Aufgabepost in Heidelberg notierte 2 Silbergroschen = 6 Kreuzer für sich bis zum Ausgang des Postvereins in Aachen, korrekt in blauer Tinte als Zeichen des Portos.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

balf_de

Experte

  • "balf_de" started this thread

Posts: 401

Location: 69151 Neckargemünd

Occupation: Rentner, bis 2008 kfm. Angestellter Prokurist in einer Großhandelsfirma

  • Send private message

42

Friday, July 21st 2017, 2:09pm

Lieber Ralph,

danke für Deine Hilfe bei der Datierung meines Portobriefs, mit dem ich zumindest bei Portobriefen die Lücke "Prussian closed Mail" schließen konnte (bei Franco-Briefen bleibt es schwierig … :S )
Ich habe meine Sammlung nach dem Heidelberger Ortstempel (Distributionsstempel, lt. Handbuch Nr. 6) durchgesehen: meine datierbaren Belege zeigen die Verwendungsjahre dieses Stempels von 1854 bis zum August 1861, wobei die mittleren 1850er Jahre überwiegen.
Also: Mein Tipp bleibt 1863 - warten wirs ab!
Wenn Du Recht hast, ist der Portobrief der mit Abstand jüngste in meiner Sammlung mit diesem Stempel. Von daher gefallen mir die beiden älteren Transportmöglichkeiten auch ganz gut …

Viele Dank auch für Dein wichtiges Postskriptum
P.S. Die Aufgabepost in Heidelberg notierte 2 Silbergroschen = 6 Kreuzer für sich bis zum Ausgang des Postvereins in Aachen, korrekt in blauer Tinte als Zeichen des Portos.
Ist es richtig, dass Baden in diesem Fall sogar 7 Kreuzer von Preussen kassierte? Weiß man eigentlich, ab wann die Preußen für 2 Silbergroschen 7 Kreuzer haben wollten?

Nochmal: danke, und herzliche Grüße
Alfred

Posts: 19,248

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

43

Friday, July 21st 2017, 3:20pm

Lieber Alfred,

es könnte ja auch der 1858er sein - mit 1863 habe ich nur den teillegitimen Schluß gezogen, dass ich die mir bekannten bayer. Briefe in Ansehung ihrer Stempel eher für etwas später, als ziemlich früher sprechen. Den Bahnpoststempel müssten bitte unsere Preußen unter die Lupe nehmen, ab wann es den geben soll. Falls hier, warum auch immer, unsere Preußen nicht mitlesen sollten, wärst du mit einer Rund - PN an sie gut bedient.

Zu den 2 Sgr. bzw. den 6 Kr. oder 7 Kreuzern.

Die Postvereinsstaaten waren ursprünglich gehalten bei dem gemeinschaftlichen Grenzaustrittspunkt Aachen für ihre PCM die üblichen Entfernungstabellen des DÖPV anzuwenden, soll heißen, man wolle wie üblich damals bis 10, über 10 bis 20 und über 20 Meilen die tariflichen 3, 6 bzw. 9 Kr. als Franko bzw. Porto angesetzt sehen.

Das wäre auch darauf hinaus gelaufen und einfach in der Praxis umzusetzen gewesen - jedoch spielten die USA nicht mit! Basis der amerikanischen Überlegungen um eine wohlfeile Transatlantikpost war zuerst einmal die Vorgabe, im eigenen Land billig verschicken zu können, also den inneramerikanischen Gebührenanteil niedrig zu halten und wenn man das fixieren konnte, hätte man auch gute Karten bei den deutschen Postverwaltungen, in specie der von Preußen, die dortigen Gebühren zu moderieren.

Da alle Briefe aus den Staaten über New York, Boston, Baltimore oder Philadelphia via den Atlantik zu laufen hatten und sich das Leben der USA zu 90% an der Ostküste abspielte, hatte man einen 300 Meilen (ca. 500 km) Kordon um eben diese Häfen gezogen, innerhalb deren 5 Cents = 7 Kreuzer = 2 Silbergroschen für den einfachen Brief bis 1/2 Unze = 14,2g reichen sollten, porto wie franko. Erst über 300 Meilen sollten sich diese 5 Cents auf 10 Cents verdoppeln.

Schaut man sich die Entfernungen in den frühen USA an (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Staat!), dann erkennt man, dass der deutsche Flickenteppich im Miniformat, in der Masse aus Duodezfürstentümern bestehend, die weniger Einwohner hatten, als New York in einem Monat als Einwanderer begrüßen durfte, bei einer Diskussion um Gewichte, Gebühren und Entfernungen sicherlich nicht führend werden konnte. Amerika beharrte auf seinen 5 / 10 Cents und Preußen vermittelte 2 Sgr. bzw. 6 Kr. als die mittlere Entfernungsstufe im DÖPV als akzeptabel. Wenn wir jetzt 300 Meilen in den USA per 5 Cents den "statistisch gemittelten" 10 - 20 Meilen im Postverein (75 - 150 km!) gegenüber stellen, werden wir leicht erkennen, dass auch jetzt, nachdem die 9 Kr. für über 20 Meilen bis und von Aachen vom Tisch waren, noch immer relativ hohe Gebühren für die Korrespondenten anfielen.

Auch als Preußen diesen Vertrag mit Belgien, GB und den USA abschloß, war klar, dass die anderen DÖPV - Postverwaltungen sich dieses Vertrages mit seinem Tarif nicht anschließen mussten. Man konnte ja jederzeit über Hamburg/Bremen/Frankreich verschicken und war nicht gezwungen, via Aachen 45 Kr. einfach anzusetzen. Jedoch gelang es allmählich durch die Schnelligkeit und die milde Form der postpolitischen Andienung an alle Länder im DÖPV den Preußen, sie dazu zu bewegen, einen Großteil ihrer Transatlantikpost doch über Aachen laufen zu lassen, zumal man terminlich am besten von allen aufgestellt war und diesen Faktor darf man nicht unterschätzen (Schnelligkeit der Zu- und Ablieferung, Sicherheit, dass die Schiffe auch tatsächlich hier und dort zu festen Zeiten ausliefen, große Linien involviert waren und und und).

So war es ein Vorteil für die Kunden der süddeutschen Staaten, nur 6 Kr. für jedes Loth Briefe berappen zu müssen, statt deren 7 bei den anderen Währungen (und 6 Kr. Conventionsmünze waren ja netto sogar 7,2 Kr. rheinisch).

Umgekehrt bekam Preußen bei eingehenden Briefen aus den USA, porto wie franko, den Postvereinsanteil von 5 Cents = 2 Sgr. vergütet, hatte aber bei Briefen nach Süddeutschland nur 6 Kr. anzusprechen.

Im Gegenzug dessen war die Abrechnung i. d. R. in preußischer Währung quartaliter zu leisten und da setzte Preußen seinen Groschen natürlich mit 3,5 Kr. an und nicht nur mit 3 Kr., so dass wir hier eine späte Kompensation vor uns haben, denn es wurde im ganzen Postverein immer in der Währung zwischen den Verwaltungen abgerechnet, die ein Plus gegenüber einer anderen errechnete und bei allen süddeutschen Staaten war das natürlich immer Preußen - eine sicher sehr elegante Hintertür, die sich von Stephan geschaffen hatte und auf die Österreich ja nur eingegangen war, weil man dachte, dass die Transite des Auslands im Süden und Südosten Europas und der Welt denen via Preußen gleichwertig gegenüber zu stehen hätten, was natürlich nicht der Fall war, weil man mit den Postverträgen der süddeutschen Staaten zur Schweiz ab Okt 1852 preußischerseits einen starken Hebel hatte und die Korrespondenzen regelmässig um Österreich herum via die Schweiz dirigierte (mit Hilfe von Baden hauptsächlich, womit sich der Kreis schon fast wieder schließt).

Ich bitte die Länge meiner Antwort zu entschuldigen, auch wenn ich noch seitenweise weiter schreiben könnte ...
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

44

Friday, July 21st 2017, 4:57pm

Hallo Ralph,

laut Feuser kommen sowohl der Bahnpoststempel COBLENZ - COELN als auch der Taxstempel AACHEN 5 Cts ab 1855 vor.

beste Grüße

Dieter

Posts: 19,248

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

45

Friday, July 21st 2017, 6:02pm

Hallo Dieter,

prima - dann ist 1854 vermutlich außen vor und 1858 liegt gut im Rennen!
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"