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Tuesday, September 12th 2017, 9:23pm

Guten Abend,
wenn ich mit 73 J Sammeln kann und darf, bin ich auch noch verwendbar. (Spaß) :D :P

Wenn man so was zum nachlesen findet, es ist fantastisch... :thumbup:
LG A
"Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
W. v Humboldt

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Wednesday, October 11th 2017, 1:15pm

Also ganz aktuell, da zumindest in Sachen Fußball Island in aller Munde äh Medien ist "Huh! Island feiert den nächsten Coup", hier ein Fund aus einem Karton der auf einem leider wenig besuchten und bestückten Großtauschtag bei einem der Handvoll Händler stand. Ich suchte ein kleines Geschenk für einen guten Freund, der Destinationen Bund sucht.



Also die Karte fiel mir auf, weil es einen zwar undeutlichen, aber doch erkennbaren Ankunftstempel hatte (ist nicht ganz so häufig in der neueren Zeit). Eine einfache Weihnachts-Karte abgeschickt vor Silvester 1960.

Noch besser aber die Adresse, der Name Steinar Waage. Und wie hieß der Ort? Spätestens seit dem Ausbruch des isländischen Vulkans wissen wir um die sprachliche Akrobatik isländischer Namen.
Das tollste aber ist der Absender. Bisher traf ich bei meiner Recherche zwangsläufig nur auf Tote. Dieser aber lebt :thumbsup:
Denn Herr Hans-Otto Regenthal lebt noch in Peine und ist eine bekannte, weil rührige Person. In der "Peiner Allgemeine" stand 2015: "Hans-Otto Regenthal wird heute 80 Jahre alt" (und nachdem noch keine Trauernachricht zu finden ist, gehe ich davon aus, dass er noch lebendig ist.



"In Hannover geboren, begann er nach achtjähriger Schulzeit 1950 seine Lehre als Schumacher. Danach arbeitete er als Geselle in einem Orthopädie-Fachgeschäft. Schon 1956 legte er – mit 20 Jahren als jüngster in Deutschland – die Meisterprüfung ab.
Ein Jahr später folgte die Meisterprüfung Orthopädie-Schuhtechnik. Über 20 Jahre arbeitete er dann in verantwortlicher Stelle in der Schuhindustrie, bevor er sich 1979 im Schuhfachhandel mit Einrichtung einer Fachwerkstatt für Orthopädie-Schuhtechnik selbstständig machte. Im Laufe der Jahre kamen
Zweigniederlassungen hinzu. Als er 1998 in den „Ruhestand“ trat, meinte Joachim Gabor scherzhaft: „wenn wieder einer der großen ‚Schuster“ sich von der ‚Front’ verabschiedet, sollte man das als ‚Fahnenflucht’ ahnden.“ 16.03.05 - aus Schuhmarkt-News

Und weil wir bei Schuhen sind:

Steinars Waage wurde 1957 gegründet und hat seitdem einen guten Ruf als Familienladen. Der Schwerpunkt liegt auf Kinderschuhen, aber sie sind von Anfang an der Eckpfeiler des Ladens.

So könnte also durchaus in 1960 eine geschäftliche Verbindung zwischen Herrn Regenthal und Steinar Waage bestanden haben.


Und der Ort dürfte dieser sein:

Hafnarfjörður[font='&quot'] ist eine [/font][font='&quot']isländische[/font][font='&quot'] Stadt in der Region [/font][font='&quot']Höfuðborgarsvæðið[/font][font='&quot'] im Südwesten Islands.[/font]
Am 1. Januar 2017 hatte die im südlichen Bereich des Ballungsraums um die Hauptstadt [font='&quot']Reykjavík[/font][font='&quot'] liegende Stadt
28.703 Einwohner.[/font]


So ist diese kleine Karte ein Glücksgriff für mich gewesen, denn wann findet man schon Informationen bei diesen "Neuheiten" zu Absender/Empfänger, wenn sie nicht prominent oder sonst wie eine bekannte Person gewesen sind.

Aber keine Sorge, das war ein einmaliger Ausflug in die 60er-Jahre von Bund, ich bleibe "Bayern-Fan" (hat aber nichts mit dem Verein zu tun) :D


Luitpold
"Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

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23

Wednesday, October 11th 2017, 1:54pm

Aber keine Sorge, das war ein einmaliger Ausflug in die 60er-Jahre von Bund, ich bleibe "Bayern-Fan" (hat aber nichts mit dem Verein zu tun)


Lieber Luitpold,

und das ist gut so!!!

Zur Karte: Auch andere Mütter haben schöne Töchter, von daher sei es allen gedankt, dass du in den Besitz dieser netten Karte gekommen bist.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

24

Wednesday, October 11th 2017, 2:14pm


.... dass du in den Besitz dieser netten Karte gekommen bist.
Lieber bayern klassisch,

wenn man bedenkt, dass diese Karte fast schon 60 Jahre alt ist und auf Island war. Wie und wann kam sie dann wieder zurück, wo war sie die ganze Zeit? Wie geschrieben, sie war ja unter Hunderten von anderen Belegen. Erstaunlich wohl auch nicht, wenn man die Kartons mit Tausenden Briefen, Karten usw. auf den Tauschtagen stehen sieht. Vielleicht liegen sie dort für "ewige Zeiten" bis mal Fortuna * ein Einsehen hat :D

Luitpold

* hat auch nichts mit einem Fußball-Verein zu tun :thumbsup:
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25

Wednesday, October 11th 2017, 3:16pm

... ooch, gegen Fortuna D. habe ich nichts, im Gegenteil. ;)

Ja, es ist immer wieder erstaunlich, wo manche Belege landen. Ich habe 10 Jahre lang ein Einschreiben aus Ungarn nach Bayern ab Juli 1867 bis Dez. 1875 gesucht und nie etwas gefunden - bis ein Finne, der genau Null mit Philatelie zu tun hatte, genau so eines in die Bucht einstellte. Da fragt man sich dann auch, wie er dazu kam. Aber mein Finnisch ist zu schlecht gewesen, um ihn das zu fragen ...
Liebe Grüsse vom Ralph

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26

Wednesday, October 18th 2017, 3:02pm

Als es noch keine Büroklammern gab

Erstaunlich was sich so alles erhalten hat aus längst vergangenen Kontorzeiten.



Als es noch keine DIN gab, auch kein Post-It oder Büroklammern usw.

Da war ein Faden bei einem Zeuchmacher doch das nächstliegende, wenn es galt einen Zettel an einer Rechnung zu befestigen (ankleben wollte er wohl nicht). Jedenfalls ein bemerkenswertes Stück Papier, auch wenn es nichts mit der Post zu tun hat, außer dem Retour-Vermerk für die Ware.



Der Herr Gottlieb Michael Strunz war wohl neben seinen Geschäften als Zeuchmacher (ein wollender Zeugweber, der also nur aus Wolle Tuche machte) noch Vesicherungen vertrat (wie viele andere Handwerker und Händler) und auch englische Tuche einkaufte (siehe Rechnung). Diese bezog er von S. Rosenthal aus Würzburg.

Über ihn findet sich folgendes: eine ähnliche Rechnung unter http://www.alemannia-judaica.de/wuerzbur…Crzburg%20(1863)

Die Rechnung der Fa. S. Rosenthal wurde am 23. November 1863 an G.M. Strunz in Weißenburg geschickt.
Als Ware sind 4 1/2 bairg Flanell französisch aufgeführt. Als Adresse des Verkaufslokals wird genannt: Kürschnerhof neben der Neumünster-Kirche. Es handelt sich um das von Kaufmann Salomon Rosenthal (geb. 1819 in Theilheim, gest. 1883 in Würzburg und beigesetzt im jüdischen Friedhof Heidingsfeld) gegründete Kaufhaus S. Rosenthal (Konfektion, Textilien, Teppiche u.a.) im Kürschnerhof 6. Nach Salomon Rosenthal wurde das Geschäft bis 1903 vom Sohn Luitpold Rosenthal (geb. 1849 in Würzburg, ab 1906 in Berlin) weitergeführt (ab 1903 Fa. Seißer). (Informationen nach Strätz Biograph. Handbuch II S. 482).
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27

Wednesday, October 18th 2017, 3:40pm

Lieber Luitpold,

danke fürs Zeigen dieses Kleinods - ich mag diese Zettelchen (heute: "Postits", bitte nicht falsch lesen!) sehr, denn sie geben einen Eindruck von der Realität längst vergangener Zeiten und so hatte ich das bisher noch gar nicht gesehen.

Die (Handels-)Geschichte der Juden in Deutschland (und wohl auch anderswo) ist recht gut erforscht, aber es ist halt immer etwas anderes, selbst ein Dokument aus alter Zeit zu besitzen, als nur im Internet davon zu erfahren. Von daher sind wir Sammler und Forscher glückliche Menschen. :)
Liebe Grüsse vom Ralph

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28

Friday, November 10th 2017, 5:32pm

Wenn man so was zum nachlesen findet, es ist fantastisch... :thumbup:
LG A
Liebe Filigrana,
liebe Freunde von "Gesellschaftsgeschichte(n)"!

heute zeige ich einen "Allerweltsbrief" aus München, dessen Inhalt kein "Lesestudium" erfordert. Dafür ist aber die Adresse rätselhaft.



> 9 kr.-Franco - über 20 Meilen, 1 Gewichtsstufe -



2 II 4 ?

+ 4 II 2 - München 11. Juli 1860 - 1 (rückseitig kleiner Einkreis Arnstadt + 2-Kreis Ilmenau 13.7. <

Gab es einen Herrn Friedrich, Glasfabrik-Besitzer in Stützebach bei Ilmenau, Thüringen?
Leider versagt da alle Sucheingabe.



(Quelle: http://www.bdph.de/forum/showthread.php?…-Sammlung/page3 )

Wir finden jedoch unter Ilmenau ein Stützerbach und dort einen Ferdinand Friedrich (1842 wurden die Glasfabriken zusammengelegt?)
Gefertigt wurden Glasinstrumenet (Thermometer) bzw. Hohlkörper (Röhren). Denn in dem Schreiben von J. Greiner wird die Lieferung von Glasröhren angemahnt, die bereits vor 4 Wochen bestellt wurden.

München, den 11 tn Juli 1860

Geehrten Herrn Friedrichs in Stützebach!

Ersuche Sie hiermit freundschaftlich um recht baldige
Zusendung der vor 4 Wochen bei Ihnen
bestellten Glasröhren. Ich bin mit einigen Sachen z.B. Barometerröhren ganz außer
Hand.

Sie würden mich außerordentlich zum Dank verbinden,
wenn Sie dieselben bald möglichst an mich verabfolgen ließen.

In deren Erwartung zeichnet Hochachtungsvollst

A. Greiner




Da bleibt die Frage, ob bei dieser fehlerhaften Adresse der Brief angekommen ist?

Wer war nun J. Greiner in München: der Glasbläser aus Bischofsgrün stammend ersuchte und erhielt er 1847 eine Mechanicus-Konzession in München. Er fertige Reisebarometer und sicherlich auch Thermometer, Apparate zur Bieruntersuchung, Aräometer und andere Apparate (war erfolgreicher Aussteller auf der Industrieausstellung in München 1854).

Was ich nich nicht ganz entschlüsseln konnte ist der Zusammenhang mit den Herrn Greiner in Stützerbach. Dorthttp://www.stuetzerbach.de/geschichte-stuetzerbach.php liest man u.a.

Die eigentliche Entwicklung zum späteren Glasindustriedorf erfolgt nach
1830, als sich mit zunehmenden naturwissenschaftlichen Erkenntnissen u.
a. auch ein erhöhter Bedarf an Glasinstrumenten ergab. Besonders ist
hier Franz Ferdinand Greiner (1808 – 1855), ein Mahlmüller und
Glasbläser aus Stützerbach zu nennen, der gemeinsam mit Wilhelm Berkes
die ersten industriell gefertigten deutschen Thermometer herstellte und
zugleich auch den Grundstein für die deutsche Laborglasgeräteindustrie
legte.
Im Zuge der weiteren industriellen Entwicklung gab es in Stützerbach auf
preußischer Seite außerdem von 1825 – 1951 eine Porzellanfabrik und zum
Ende des 19. Jahrhunderts vier Glashütten sowie eine bedeutende Anzahl
von Glasweiterverarbeitungsbetrieben.

Die Stützerbacher Glasindustrie der damaligen Zeit hatte Bedeutung für
die gesamte deutsche Industriegeschichte. So wurden hier bereits um 1860
die ersten deutschen Fieberthermometer, 1881 die erste deutsche
Glühlampe und die ersten doppelwandigen, Wärme isolierenden Glasgefäße
(später als Thermosgefäße bekannt) hergestellt. Auch die direkte
Zusammenarbeit mit Prof. Wilhelm Conrad Röntgen* bei der Entwicklung und
Herstellung der ersten Röntgenröhren mit der Stützerbacher Firma Greiner
und Friedrichs
, die Zusammenarbeit dieser einst führenden Stützerbach
Glashütte mit Dr. Otto Schott aus Jena, sowie das von den Firmen W.K.
Heintz und Greiner u. Friedrichs eingeführte Normschliffsystem in der
Glasindustrie sind zu nennen. Bedingt durch die wirtschaftliche
Entwicklung wuchs der Ort zeitweise auf über 3000 Einwohner.

* und der Hinweis auf Röntgen passt ja in wunderbar zu meiner Heimatsammlung ^^ Also muss ich noch meine "Hausaufgaben machen" um doch noch die Verbinung der beiden Stützerbacher hinzubekommen *

Ergänzung (wer suchet der findet :rolleyes: )

Stützerbach und die Glasindustrie
Die Gegend um Stützerbach, Manebach, Gehlberg, Schmiedefeld am Rennsteig und Ilmenau
eignete sich besonders für die frühe Glaserzeugung. Der Waldreichtum
bot ausreichend Brennmaterial, die Bäume dienten zudem der
Pottascheherstellung und besonders der Boden um die Pörlitzer Dörfer war
reich an dem benötigtem Sand. Produziert wurde das "Waldglas", ein
durch Verunreinigungen von Eisenoxiden in der Pottasche grün gefärbtes
Material. Im Jahr 1656 wurde die erste Glashütte in Ilmenau
von Zacharias Holland etwa auf dem Gelände des ehemaligen VEB
"Westglas" erbaut. Hans Greiner, ein Teilhaber dieser Hütte, gründete in
der Mitte des Dorfes, auf dem "Hüttenplatz" nach der Teilung des Ortes
eine neue, nun auf sächsisch-weimarschen Boden befindliche Fabrik.
Ferdinand Friedrichs I. aus Ilmenau erwarb den Hüttenanteil Gundlachs (siehe auch unter Goethe und Ilmenau)
und verlegte die Produktion seiner Ilmenauer Hütte ganz nach Stützerbach.

Aus dieser ging die Firma Greiner und Friedrichs hervor,
die neben der Hüttenproduktion auch Glasinstrumente fertigte.
http://www.deutschland-informativ.de/stadt-stuetzerbach.html

Wenn ich mir vorstelle, dass sich mal alle daransetzen, ihre in die Zig'Tausend gehenden Briefe inhaltlich "zu erforschen", wir hätten sehr viel zu lesen und würden manch interessantes aus der sogenannten "guten alten Zeit" erfahren. Nun ja, manche machen das ja schon sehr vorbildlich :thumbsup:
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29

Friday, November 10th 2017, 8:34pm

Hallo Luitpold,

genau das habe ich auch gefunden. :)

"Carl Wilhelm Ferdinand Friedrichs gründete 1836 die dritte Ilmenauer
Glashütte. Seine unternehmerischen Fähigkeiten verhalfen endlich zur
Kontinuität und zu industrieller Produktionsweise. Allerdings kaufte
Friedrichs Hüttenanteile in Stützerbach, verlegte die Produktion dorthin
und schloss die Ilmenauer Hütte. 1852 nahm eine vierte Glashütte -die
Sophienhütte- in Ilmenau den Betrieb auf, trotz Protest seitens
Friedrichs."

Grüße
Plattenfehler