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hans7

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101

Thursday, August 4th 2011, 4:49pm

Lieber bayern klassisch,

hier noch 2 scans von dem Vermerk unter frco und die Zahl 9 / 20. Ich kann mich erinnern den Vermerk unter frco schon mal irgendwo auf Briefen oder in Áuktionskatalogen gesehen zu haben? Es war doch so daß die Post bis zur griechischen Grenze bezahlt war und Griechenland einen eigenen Betrag eingehoben hat. Oder war dies erst ab 1861, Postvertrag mit Russland, möglich! Die 15 kreuzer, sind das Neukreuzer oder Conventions Münze?

Für Briefe durch Österreich nach Griechenland, (vom Jahr 1858 ), finde ich folgende Berechnungen: Porto in Russland 10 Kop. S., Österreich und sonst. Porto 21 kreuzer (zusammen in silberkop. 34). Was Griechenland berechnet hat, weiß ich nicht.

Liebe Grüße Hans
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102

Thursday, August 4th 2011, 6:11pm

Lieber Hans,

wenn der Brief von 1856 stammt, war die öster. Währung der Kreuzer Conventionsmünze. Ab 1.11.1858 stellte Österreich auf den Neugulden bzw. Neukreuzer um.

Ich kann leider den Vermerk unter Franco leider immer noch nicht erkennen und der Nenner des Gebührenbruches ist mir immer noch nicht klar.

Wenn Österreich 9 Kr. CM für den Postvereinsanteil als Transit erhalten sollte, konnte nur noch der Transit mit dem österreichischen Lloyd und die Inlandsgebühr dazu kommen. Einfache Briefe kosteten 6 Kr. CM von Triest bis zum Hafen. Diese 15 Kr. CM entsprachen 60 Lepta. Das Inlandsport in Höhe von 40 (?) Lepta käme dann noch hinzu.

Vlt. heißt der vorderseitige Vermerk 1 Drachme (also 100 Lepta)?

Leider kann ich dir als Laie hier nicht viel weiter helfen - es braucht doch einen Spezialisten, der den Brief sicher tarifiert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

hans7

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103

Sunday, August 14th 2011, 11:02pm

Lieber bayern klassisch,

ich habe den Brief einem mir bekannten Griechenlandsammler gemailt, und bin gespannt was er dazu meint!

Ich habe einen Brief von 1859 aus Taganrog nach Norwegen, über Schweden. Meiner Meinung nach kommen Briefe nach Norwegen nicht gerade oft vor, auch bei Briefen mit Marken ist diese Route aus Russland selten. Ich hoffe Du kannst mir dazu was sagen!

Liebe Grüße Hans
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104

Monday, August 15th 2011, 6:16am

Lieber Hans,

dannn hoffen wir, dass der schöne Griechenlandbrief bald entzaubert sein wird.

der wurde wohl mit 4 ? frankiert, die sich in 2 + 2 vorderseitig aufgeteilt finden. Der Empfänger zahlte 26 Skilling, das ist alles, was ich dazu sagen könnte. Leider nicht meine Baustelle.

Ich hoffe, @Michael weiß mehr darüber zu sagen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

Michael

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105

Monday, August 15th 2011, 7:53pm

Lieber Hans,

ein interessanter, aber wohl nicht ganz eindeutig interpretierbarer Brief, mit seltener Destination. Glückwunsch dazu.

Zunächst fällt auf, dass kein einziger preußischer Stempel sich hierauf verirrt hat. Es sei denn, das Stempelfragment unter dem schwedischen Stempel stammt hierher.

Eine alternative Direkt-Leitung Kronstadt-Stockholm wäre daher vorstellbar. Die Taxen für diesen Leitweg kenne ich nicht, aber zumindest die Zahlen "4" (rs.) "2 / 2" (vs.) machen auch hierbei keinen rechten Sinn.

Wenn er durch Preußen gelaufen wäre, könnte der Leitweg so aussehen:
Im geschlossenen Transit durch Österreich nach Breslau, von hier über Berlin nach Stettin, dann weiter mit der 1852 eingerichteten Direkverbindung Stettin-Stockholm. Da diese Schiffsverbindung aber nur 1x wöchentlich bedient wurde, ist sie selten zu finden. Typisch wäre auch eher die Leitung über Hamburg, hierzu fehlen aber die Durchgangsstempel.
Als Taxe käme einiges zusammen:
3 Sgr. russisches Porto
+3 Sgr. preuß. Porto
+2 1/2 Sgr. Seeporto
+2 1/2 Sgr. schwed. Porto
+2 1/2 Sgr. norweg. Porto
Für diese 13 1/2 Sgr. wären die rot notierten 26 Sk. wohl zu niedrig.

Liefert vielleicht die oberste Zeile einen Hinweis?
Wie angedeutet, bin ich mir nicht sicher, ob die preußische Post diesen Brief gesehen hat.

Viele Grüße
Michael
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hans7

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106

Monday, August 15th 2011, 8:34pm

Lieber Michael,

schön das man wieder von Dir hört, zu dem Brief nach Norwegen, der Kastenstempel ist von Taurogen, der Stockholm Stempel könnte darauf hinweisen daß der Brief von Finnland aus eventuell direkt über den Königsweg nach Stockholm befördert wurde, und dann weiter nach Norwegen. Reine Vermutung von mir, es fehlt der Grislehamn Stempel - aber ob dieser immer eingesetzt wurde?

Was sagst Du zu dem Brief von Petersburg nach Athen, der weiter oben zu finden ist?

Liebe Grüße Hans

Michael

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107

Monday, August 15th 2011, 10:37pm

... der Kastenstempel ist von Taurogen, ...
Lieber Hans,

jetzt verwirrst Du mich etwas. Oben hast du geschrieben, der Brief stamme aus Taganrog. ?(
Soweit ich die Buchstaben auf dem Scan erkennen kann, scheint es sich um Taganrog zu handeln.
Was sagt denn der Inhalt des Briefes hierzu?

Den Griechenlandbrief werde ich mir morgen oder übermorgen anschauen - meine Zeit ist im Moment sehr knapp.
ich befürchte allerdings, dass ich nur wenig essentielles beitragen kann. Ist nicht gerade mein Kerngebiet. :whistling:

Viele Grüße
Michael
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Michael

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108

Wednesday, August 24th 2011, 6:17pm

Unterfrankiert aus Frankreich

Liebe Freunde,

es hat etwas gedauert, aber jetzt kann ich auch einen unterfrankierten Brief nach Russland zeigen.
Am 8.11.1856 in Toulouse (Frankreich) aufgegeben, lief er par Paris über Preußen (Aachen-Berlin-Breslau) nach Odessa.
Frankiert wurde er mit einer 20 Centimes-Marke (Mi.-Nr. 13 I) - eine Vollfrankatur hätte 1 F. 10 C. gekostet, 20 C. entsprachen dem französischen Inlandsporto. Vielleicht war an eine Grenzfreimachung gedacht worden, aber ein zugehöriger Vermerk fehlt.
Die Marke wurde zunächst mit dem französischen Rautenstempel entwertet. Vermutlich in Paris wurde die Marke mit Tinte durchkreuzt und daneben Timbre insufficant notiert ( = Marke reicht nicht).
In Aachen wurde rückseitig AUS FRANKREICH PER AACHEN und vorderseitig AFFRANCHISSEMENT INSUFFISANT (oder doch ein franz. Stempel ?) gestempelt. Hier wurde dann auch die Taxierung für einen Portobrief vorgenommen: 5 / 3 , in Summe also 8 Sgr., mit der die russische Post belastet wurde.
Der Brief wurde wie ein normaler Portobrief taxiert, eine Anrechnung der Marke erfolgte nicht. In dem gültigen russisch-preußischen Postvertrag ging man von Porto- bzw. Franko-Sendungen aus, (Teil-)Frankaturen mit Marken fanden im Vertragstext noch keine Berücksichtigung.

Die russische Post schlug nun leider keinen weiteren Stempel ab und notierte nur rückseitig 50 Kopeken.
Dieser Betrag passt nicht zu meinen anderen Belegen, französische Portobriefe dieser Periode kenne ich mit 37 Kop. Portobelastung.



Leider ist der Brief keine Schönheit, aber das Angebot ist übersichtlich ...

Viele Grüße
Michael
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109

Wednesday, August 24th 2011, 6:39pm

Lieber Michael,

ein Brief mit Gesicht - Luxus wird es damals schon nicht gegeben haben.

Der Stempel "AFFRANCHISSEMENT INSUFISSANT" war französischerseits der Standardstempel bei unterfrankierten Briefen, egal ob sie im Inland blieben, oder wie hier ins Ausland gerichtet waren.

Sonderbarerweise stammen die meisten mir bekannten unterfrankierten Briefe Frankreichs aus Toulouse - ich habe selbst auch einen, der nur mit 20 Centimes statt deren 40 nach Bayern unterfrankiert lief. Lag Toulouse in schottischen Teil Schwabens? 8o

Wenn ich dir recht verstehe, kosteten einfache Portobriefe aus Frankreich über Preußen nach Russland nur 37 Kopeken, dieser hier aber 50 Kopeken.

Sonst einfach, aber in Russland zweifachen Gewichts kann er eigentlich nicht gewesen zu sein. Was hätte denn ein unfrankierter Brief über Österreich nach dorthin gekostet? Vlt. hat man ihn über einen falschen Kartenschluß abgerechnet und aus Versehen die österreichische Transittaxe berechnet?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

Michael

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110

Thursday, August 25th 2011, 7:30pm

Lieber bayern klassisch,

leider habe ich keine Belege aus den 50er Jahren, die durch Österreich liefen und zu dem österreichisch-russischen PV von 1854 fehlen mir die Anhänge.
In den 60er Jahren war es so, dass ein russischer Brief nach Frankreich
- durch Preußen 11 Decimes kostete
- durch Österreich 10 Decimes kostete.

Ich glaube, über die Toulouser kursieren in Frankreich einige Witze ...

Viele Grüße
Michael
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111

Thursday, August 25th 2011, 7:44pm

Lieber Michael,

danke für die Tarife - dann wäre Österreich eher günstiger gewesen, als Preußen, was die Transite angeht? Die 50 Kopeken bleiben rätselhaft.

Toulouse = Ostfriesland auf französisch? :thumbsup:
Mal sehen, ob ich auch einen korrekt frankierten von dort nach AD finde. Könnte ja eine Seltenheit sein. ^^

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

hans7

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112

Monday, August 29th 2011, 5:07pm

Lieber Michael, und bayern klassisch,

um nochmals auf den Griechenland-Brief zu kommen. Ich habe aus Zufall eine Seite aus dem Österreich-Griechischen PV von 1851 gefunden, der die Beförderung der Transitpost behandelt. Die Seite hänge ich unten an. Der Griechenlandkenner hat sich bis jetzt nicht gemeldet, wahrscheinlich ist die Bewertung nicht so einfach! Direkte Post aus Russland nach Griechenland, ist wahrscheinlich nicht sehr oft zu finden!

die 15 kr CM sind für die Bezahlung von Russland bis Triest, ich denke 13 plus 2, und die blaue 9/10 ist die Bezahlung für die Seepostbeförderung bis Athen 9 kr. CM bis 15 gramm, und die 10 unter dem Strich, die Beförderung innerhalb Griechenlands nach Athen - 10 Lepta. So könnte es doch gemeint sein, lt. dem Postvertrag.

Zu dem §10, fehlt noch der Satz: "Die für die internationale Korrespondenz zu entrichtenden Geühren bestehen:

1. Im Seeporto - und dann geht es weiter auf der abgebildeten Seite.

Dann die Seite 214 mit den Fahrtrouten des österr. Lloyd, ab 1849/50.

Liebe Grüße Hans
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Michael

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113

Monday, August 29th 2011, 6:52pm

Lieber Hans,

danke fürs Zeigen der Vertragsseiten.

Deine Überlegung zu den rückseitig notierten Zahlen 9 / 10 als 9 Kr. Seeporto und 10 Leptas griechisches Porto ist wohl richtig.

Deine Interpretation der 15 Kr. als russisches/österreichisches Porto steht jedoch im Widerspruch zum russisch-österreichischen Postvertrag, in dem 9 Kr. russisches + 9 Kr. österreichisches Porto festgelegt waren.

Zu den vorderseitigen 15 Kreuzern kann ich folgende Erläuterung anbieten:
Der einfache Brief (unter 1 Loth) aus dem DÖPV nach Griechenland über Triest kostet neben dem Vereinsporto 15 Kreuzer CM Fremdporto (bzw. 5 1/4 Sgr.)
(Auszug aus "Briefporto-Taxe für die Post-Anstalt", Berlin 1853) Im Unterschied zu deiner Quelle wird hier kein höheres Porto für weiter von der griechischen Küste entfernt gelegene Orte genannt.
Die 15 Kreuzer würden sich dann zusammensetzen aus 9 Kr. Seeporto und 6 Kreuzer griechischem Porto.
Ich weiß allerdings nicht, ob das Verhältnis 6 Kreuzer = 10 Leptas passt.

Viele Grüße
Michael

Bearbeitung am 30.8.2011, 08:35: Ergänzung zum österreichisch/russischen PV. Irgendwie war dieser Satz verloren gegangen.
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Michael

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114

Wednesday, August 31st 2011, 6:24pm

Tauroggen

Liebe Freunde,

anbei ein Brief aus adeliger Korrespondenz, der für mich noch einige Fragezeichen birgt:


Die Losbeschreibung lautete:
Tschernishewo (Gouv. Kostroma, Zentral-Rußland), Couvert 1856 mit vollem Inhalt via Tauroggen (rs. seltener roter K2) nach Wiesbaden, rs. Aufgabe-L2

Meine Interpretation sieht im Moment folgendermassen aus:
Der Brief wurde in Tschernishewo geschrieben. Dies belegt der Inhalt eindeutig.
Ich glaube zur Zeit nicht, dass er dort aufgegeben wurde. Der angesprochene L2 (rs. rechts unten) findet sich nicht in meinem (alten) Dobin-Katalog - Tschernishewo gibt es dort als Postamt gar nicht und Kostroma sowie benachbarte Postorte entsprechen nicht der Schreibweise. Seine Bedeutung ist mir im Moment noch unklar. Es könnte auch ein untergeordnetes Postamt im Postbezirk von Kovno sein (zu dem auch Tauroggen gehörte), da dort ähnliche L2-Stempel vorkamen.

Kann jemand den Ortsnamen (oder Teile davon) identifizieren ?

Auch wäre ein Durchgangsstempel von Tauroggen sehr ungewöhnlich, der normale Leitweg führte über Petersburg, dann ohne weitere russische Grenzstempel.
Ich vermute, dass der Brief erst in Tauroggen der Post übergeben wurde. Der rückseitige Aufgabe-K2-Stempel in rot ist sehr selten.
Von hier lief er über Tilsit nach Preußen. Ein weiterer Durchgangsstempel findet sich von Frankfurt und anscheinend noch ein Fragment des Ausgabestempels in Wiesbaden.
Meine Vermutung - bis der L2 näheres erläutert - ist, dass der Brief im Bereich von Tauroggen aufgegeben wurde.
Diese Überlegung steht auch im Zusammenhang mit der vorderseitigen Taxierung:


Diese lese ich 10 + 10 + 3 = 23 (Kop.)
1856 lag das russische Inlandsporto bei 10 Kop. und das Postvereinsporto ebenso. Es wären also 20 Kop. als Frankonotierung zu erwarten und nicht 23 Kop..
WENN Tauroggen als Aufgabepostamt fungierte, sieht es anders aus: Tauroggen war Grenzpostanstalt und profitierte von einem reduzierten Portosatz, 1 Sgr. statt 3 Sgr.. Dies wäre eine Erklärung für die notierten 3 Kop.
Dann bleiben aber noch 10 Kopeken über.
Dies könnte z.B. Recommandationsgebühr sein.
Die Adresse auf dem Brief ist 2x notiert, 1x in kyrillischer Schreibweise und 1x in lateinischer Schrift.
Die letzte Zeile lautet Pour êtreremise à Destination, dessen Bedeutung mir nicht ganz klar ist: evtl. eigenhändige Übergabe ? Kennt jemand diese Formulierung?

Kennt jemand das kyrillische Wort?

Dann bleibt noch der Vermerk links oben. Hinter der "3"steht meiner Meinung nach nicht "Sgr."
Kann das jemand entschlüsseln?

Ein Brief mit vielen offenen Punkten. Gerne würde ich Meinungen hierzu lesen.
NB: Mein bisher spätester Beleg mit dem 1840 eingeführten Stempel AUS RUSSLAND FRANCO-TOUT

Viele Grüße
Michael
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115

Thursday, September 1st 2011, 7:41am

Dann bleibt noch der Vermerk links oben. Hinter der "3"steht meiner Meinung nach nicht "Sgr."
Kann das jemand entschlüsseln?
Hallo Michael

Hier ist es Slbg geschrieben. Muss wohl dann Silbergroschen heissen. Der erste Buchstab S ist etwas eng gemacht.

Viele Grüsse
Nils
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

hans7

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116

Thursday, September 1st 2011, 4:36pm

Lieber Michael,

ein schönes Stück - Gratualtion. Der 2-Zeiler mü0te aus Jurjew / 14./26. Oktober 1856, sein, im Lifl. Gouvernement. Ich denke das der rote Tauroggen-Stempel bereits vom PA auf preussischer Seite sein sollte? Die russisch geschriebne Zeile unten ist die Empfangsadresse in Wiesbaden (Eisenach).
Es war seitens der russ. Post angeordnet, bei Post ins Ausland, das diese einmal in russisch und für das jeweilige Empfangsland deutsch oder französisch geschrieben werden sollte!
Die Portoberechnung ist 10 + 10 Kop.S. (10 Inlandstarif Russland, 10 Kop. oder 3 Sgr. bis Wiesbaden) und die 3 Kop. sind für die Quittung des Einlieferers, vor der 3 steht ein r - Rospiska.

Ich denke Dir geholfen zu haben.

Liebe Grüße Hans

Michael

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117

Thursday, September 1st 2011, 7:46pm

Lieber Nils,
Hier ist es Slbg geschrieben. Muss wohl dann Silbergroschen heissen. Der erste Buchstab S ist etwas eng gemacht.
glücklich, wer das entziffern kann. ;)
Danke !


Lieber Hans,

vielen Dank für deine Ausführungen.
Der 2-Zeiler mü0te aus Jurjew / 14./26. Oktober 1856, sein, im Lifl. Gouvernement. Ich denke das der rote Tauroggen-Stempel bereits vom PA auf preussischer Seite sein sollte?
In meinem Dobin-Katalog (1. Auflage) finde ich den Ort Jurjew nicht. Gibt es da noch umfangreichere Kataloge?
Oder hast Du eine Abbildung des Stempels?

Der Tauroggen-Stempel ist mit Sicherheit russischen Ursprungs. Nur war er anscheinend bis jetzt nicht in rot bekannt.
Rückseitig stammt von Preußen nur der Ra2 von Tilsit.
Es war seitens der russ. Post angeordnet, bei Post ins Ausland, das diese einmal in russisch und für das jeweilige Empfangsland deutsch oder französisch geschrieben werden sollte!
Diese doppelten Anschriften habe ich auf mehreren Belegen, aber ganz konsequent wurde es anscheinend nicht durchgehalten.
Aber es ist für mich eine sehr interessante und wichtige Information, dass es eine diesbezügliche Anordnung der russischen Post gegeben hat.
Gibt es dazu nähere Angaben?
Die Portoberechnung ist 10 + 10 Kop.S. (10 Inlandstarif Russland, 10 Kop. oder 3 Sgr. bis Wiesbaden) und die 3 Kop. sind für die Quittung des Einlieferers, vor der 3 steht ein r - Rospiska.
Wenn ich nunmehr davon ausgehe, dass der Brief bei einem kleineren Postamt aufgegeben wurde und dann erst zum Grenzpostamt Tauroggen kam, stimmen die 10 Kop. (= 3 Sgr.) russisches Inlandsporto natürlich, da der Grenztarif von 1 Sgr. wohl nur für die Grenzpostämter selbst gegolten hat.

Danke auch für die wertvolle Erläuterung der 3 Kop. als Gebühr für einen Einlieferungsbeleg - hatte ich so noch nicht auf einem Brief.

Viele Grüße
Michael
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hans7

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118

Thursday, September 1st 2011, 10:56pm

Lieber Michael,

zu Deinen Fragen, der Dobin-Katalog auch in der 2. Auflage zeigt diesen Stempel nicht. Es ist zwar ein Jurjew Stempel drin, aber von einem anderen Gouvernement. Dobin hat sich mit der Aufarbeitung der 2-zeiligen Vorphilastempel sehr zurück gehalten, oder auch nicht gefunden. Diese Stempel wurden bis zum Beginn der Markeneinführung verwendet, zeitweise auch darüber hinaus, bis eben ein neuer Stempel vom Postdepartment bewilligt worden ist. Der wurde dann nach Gutdünken von dem jeweiligen Vorsteher des Postamtes entworfen oder auch beim Graveur gestochen. Es gab da keine festen Richtlinien über das Aussehen dieser Stempel, deshalt gibt es soviele Stempeltypen.

eine Frage, gibt es den Tauroggen-Stempel mit schwarzem Abschlag? Wieso bist Du so sicher, das dieser Stempel vom russ. PA verwendet wurde?

Die zweisprachigen Aufschriften der Adressen, habe ich in einem PV gelesen, aber das Jahr weiß ich nicht mehr. In Russland war bis Ende des 19. Jh. das Analphabetentum mit fast 70 % verbreitet, d. h. überwiegend bei der Landbevölkerung, diese konnte weder schreiben noch lesen, das mussten die Lehrer oder Pfarrer für diese Leute tun! Wenn Briefe speziell ins Ausland geschrieben wurden, so kam diese Post überwiegend aus den großen Städten des Reiches. Da diese Leute meist gute Beziehungen ins Ausland hatten, und dies von sich aus taten. Es gab aber trotzdem, seitens der Post diese Regel, über die Adressenschreibung.

Zu den 1 1/2 Kop. Grenzporto von Memel, diese Summe wurde ja auch bei der Gesammtsumme immer mit angeschrieben, wie. z. b. 45 1/2, oder ähnlichen Zahlen. Wenn also eine Aufrundung oder Abrundung geschah, so entweder bei der Gesammtberechnung der Taxe, oder bei dem Ausgleich zwischen der Post in Russland und/oder Preußen. Die 3 Kop. oder später 5 Kop. für die Einlieferungsbelege, werden oft übersehen, oder meist anderweitig abenteuerlich beschrieben.

Ich habe das ja jetzt wieder bei den letzten Auktionen (Berlin) gesehen, daß sogar Stempel verwechselt werden. In der Beschreibung des Loses steht "Grenz PA-Stempel" und in Wirklichkeit ist es ein Stadtpoststempel von Moskau. Der Unterschied kann nicht größer sein, von der Bewertung der Stempel und auch Belege, ganz abzusehen.

Zu dem Jurjew-Stempel musst Du Dir noch die Datumszeile darunter vorstellen, ich habe keine Abb. des Stempels wie auf Deinem Brief. Die Bezeichnung ST. - ist Station, bei dem Stempel auf Deinem Brief ist das nicht klar zu erkennen, welche Bezeichnung dahinter steht.

Wenn Du dazu Literatur möchtest, so kann ich Dir in einer eMail etwas anbieten.

Liebe Grüße Hans
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Michael

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119

Saturday, September 3rd 2011, 12:35pm

Lieber Hans,

danke für die Erläuterungen und die Stempel-Abbildung.

Ich bin mir aus folgen Gründen sicher, dass der Tauroggen-Stempel vom russischen Postamt stammt:
Es entspräche nicht den bilateralen Gewohnheiten, wenn Preußen einen Stempel mit dem Namen eines russischen Postamtes führen würde. Dies ist mir auch in keinem anderen Fall bekannt. Der K2 Tauroggen sieht aus wie ein Aufgabestempel, ist also nicht mit Durchgangsstempeln zu vergleichen.
Abgesehen davon stellt sich die Frage, warum man in Tilsit noch einen Stempel Tauroggen aufsetzen sollte, diese Information war für die Weiterleitung und die Taxierung irrelevant. Rückseitig setzte man zur Kennzeichnung des annehmenden preußischen Postamts den eigenen Ra2 Tilsit auf und vorderseitig kam der L2 AUS RUSSLAND FRANCO-TOUT hinzu, womit auch die Taxierung festgelegt war.
Zu guter Letzt kann man noch anführen, dass in der Literatur dieser Stempel ebenfalls Russland zugeordnet wird. Er ist sicherlich in seiner Form als K2-Stempel mit nur lateinischer Beschriftung auffällig, aber es gibt zumindest diverse L2-Stempel aus dem baltischen Raum, die ebenfalls als "preußische Form" durchgehen könnten.

Den K2 von Tauroggen kenne ich ansonsten nur aus der Literatur. In einem alten Beitrag von I. Popp (DASV-Heft 125 Postgeschichte und Altbriefkunde, Juni 1996) sind 2 Belege mit ihm abgebildet. Leider handelt es sich um schwarz-weiß-Kopien. Da aber zu der Farbe nichts weiter geschrieben wurde, gehe ich von schwarz als normaler Stempelfarbe aus.
Der eine Brief aus 1861 kam von Tiflis über Tauroggen und Tilsit nach Warstein (Provinz Westfalen, Preußen).
Der 2. Brief von 1863 kam von Kasan am Ural über Tauroggen und Tilsit nach Mittenwald (Bayern).

Leider ist mir noch nicht so ganz klar, wann überhaupt Briefe aus weiter entfernten Regionen über Tauroggen geleitet wurden. Viele waren es anscheinend nicht. Warum liefen diese Briefe nicht über St. Petersburg ?

Ich habe noch eine Frage zu den Einlieferungsscheinen für 3 Kopeken. Welche Funktion hatten diese ? War damit eine Versicherungsleistung o.ä. verbunden ? Oder war dies nur eine zu bezahlende Quittung, ohne dass der Postkunde daraus weitere Ansprüche gegenüber der Post reklamieren konnte ?

Bezüglich der Literatur schicke ich dir eine PN.

Viele Grüße
Michael
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120

Sunday, September 4th 2011, 8:48am

Lieber Michael,

mit dem Tauroggen-Stempel hast Du recht, ich habe auch in der Popp-Literatur nachgesehen und stimme Dir zu.

Nun zu Tauroggen - es ist seit der Nachnapoleonischen Zeit ein großer Postaustauschpunkt gewesen, für Schnellpost von Petersburg nach Berlin über Königsberg. Im Postvertrag von 1843 zwischen Russland und Preußen wurde die Stellung von Taroggen nochmals aufgewertet für die Fahrpost, sowie die Courier, Extra- und Staffetenpostabfertigung. Da sich der Postverkehr zwischen Russland und dem Westen nach der Napoleonzeit doch schneller entwickelte, wurden dann zusätzliche Postabfertigungen zwischen beiden Staaten eingerichtet. Zudem wurde ja Polen auch immer mehr in das russische Hoheitgebiet eingegliedert, doch die meisten Grenzabfergigungen waren ja noch ín polnischer Hand, wurden aber überwiegend von der russischen Post benutzt.

Zu den Einlieferungsscheinen ist noch zu sagen, daß in Russland die Einschreibepost sehr spät in das Programm aufgenommen wurde. Wurden Briefe mit wichtigen Papieren oder ähnlichem aufgeliefert, so lies sich der Einlieferer einen Einlieferungsschein geben als Nachweis gegenüber der Postbehörde. Eine finanzielle Entschädigung war darin nicht enthalten.

Einen schönen Sonntag wünscht Hans