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1

Friday, April 6th 2018, 5:04pm

Sachen gibts ....

... die gibt es gar nicht. Eigentlich. Oder so 8)

der Absender aus Berlin wollte ein paar Details klären und sandte dazu am 27.11.1952 eine Postkarte nach Giessen. Aber nicht irgendeine Postkarte, sondern er verwendete eine Bild-Ganzsachenkarte des schönen Bad Kudowa (Schlesien), ab 1926 mit dem Wertstempel "Neuer Bundesadler" herausgegeben und bis 1930 gültig (DR - P164-015). Die 2 Pf. Notopfer Marke musste er in Berlin nicht ergänzen. Die Berliner Post stempelte mit dem Maschinenwerbestempel BERLIN SW11 - ai "UNESCO 10.Dezember / ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE". Sie wurde unbeanstandet und nicht mit Nachporto belegt ausgeliefert, wie man aus den Bearbeitungsvermerken des Empfängers schließen kann.

So wurde diese Ganzsachenkarte 22 Erdenjahre (politisch lagen weit über 1000 Jahre dazwischen) nach Ende der Frankaturgültigkeit unbeanstandet aufgebraucht.



Ein Erklärungsversuch: In Berlin nicht bemerkt, hielt der Giessener Postbote eine grüne Bildpostkarte, die entfernte Ähnlichkeit mit der neuen Posthorn Bildpostkartenserie hatte, in der Hand und hat nicht weiter hingeschaut. Grün ist Grün (seit langen Jahren die (UPU)-Farbe auch für Inlandspostkarten) und zwei mal 5 im Wertstempel ist ja auch 10 (der aktuelle Tarif) und das Deutsche Reich ist ja nicht untergegengen (an die 2+4 Verträge war noch nicht mal zu träumen) und überhaupt die Berliner: verwendeten die Kontrollratsausgaben aus 1945 noch 1951 und wer weiss denn schon, was bei denen noch alles weiter gültig ist ;(

besten Gruß
stampmix

2

Friday, April 6th 2018, 5:29pm

...ein Hoch auf die Postautomation :thumbsup:

Schon ein sehr schön kurioses Kuriositätenstück !

+ Gruß

vom Pälzer

3

Friday, April 13th 2018, 6:53pm

Sachen gibts ....

... die gibt es gar nicht. Eigentlich. Oder so 8)

Eine Einzelfrankatur der 2Pf. Posthornmarke ist so selten, dass im MICHEL noch nicht mal ein -,- zu finden ist. Dafür die Anmerkung, dass die EF bisher nur als Gefälligkeitsentwertung bekannt ist. Hier ist sie nun, die 2Pf. Einzelfrankatur auf Bedarfsbeleg, mit Maschinenwerbestempel am Ostersonntag 1952 entwertet, gelaufen, nicht beanstandet, nicht zustellbar, auch noch weitergeleitet und ohne Nachgebühr zugestellt. $$$ 8)

Postkarten mit bis zu 5 Wörtern waren 1952 mit dem Drucksachentarif von 4Pf. freizumachen. Für einen 2Pf. Tarif muss man schon weit in die Vergangenheit reisen: letztmals als Ortsdrucksache am 30.6.1906 im Kaiserreich möglich. Aber es gibt Hoffnung: In der BRD war vom 1.9.1948 bis 30.6.1954 (der 13.4.1952 in Bremen passt also :) ) die Drucksache als Postwurfsendung (bis 20gr.) mit 2Pf. freizumachen. Augenscheinlich wurde dieser Tarif hier angewendet, wobei ich nicht weiß, ob man von Bremen nach Vegesack die Post werfen kann und ob dann nicht zusätzlich eine Nachbarortsluftpostzuschlaggebühr anfallen würde 8) . Wie dem auch sei, am 15.4. weitergeleitet wird sie den Empfänger am 16.4.1952 ohne Nachgebühr und zu spät für die 4-Worte-Osterwünsche erreicht haben. Vielleicht galt hier als Ausnahme zur Regel: Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben :thumbup: oder am 13. April lief alles gut ;(



Osterkarte am 13.4.1952 nach Vegesack gesandt und mit der Einzelfrankatur der 2Pf.Posthorn-Marke frankiert. In Bremen mit dem Maschinenwerbestempel (22) BREMEN 5 ax - "WERBEANTWORTSENDUNGEN besonders wirksam" entwertet und am 15.4.1952 nach ??? weitergeleitet und ohne Nachgebühr zugestellt.

besten Gruß
stampmix

This post has been edited 1 times, last edit by "stampmix" (Apr 15th 2018, 7:56pm)


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4

Friday, April 13th 2018, 7:14pm

Hallo stampmix,

ich lese Elmers - da gibt es einiges in und um Bremen, aber einen Ort habe ich nicht konkret gefunden.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

5

Saturday, April 14th 2018, 11:44am

aber einen Ort habe ich nicht konkret gefunden.

Hallo Ralph,

Es spricht viel für Elmers, aber auch nach intensiver Recherche habe ich keinen Ort gefunden. In der Nähe von Bremervörde gibt es Elm und eine Elmer-Landstraße. Das wars auch schon. Mal schauen, vielleicht löst sich auch dieses Rätsel noch.

besten Gruß
stampmix

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6

Saturday, April 14th 2018, 9:03pm

Hallo stampmix, Hallo Ralph,

mit einem kleinen Trick aus der klassischen Postgeschichte habe ich vielleicht die Antwort gefunden.
Nach dem Adressenverzeichnis von Bremen 1952 hat ein gewisser Carl Lüdeke in der Poststr. 40 im Stadtteil Vegesack gewohnt.

Das Adressverzeichnis Bremens aus den Jahren 1794 bis 1957 kann unter http://brema.suub.uni-bremen.de/periodical/structure/928434 konsultiert werden.

Anbei die entsprechende Seite von 1952:


Spalte 3, Zeile 4 findet ihr C. Lüdeke.

Es handelt sich also um eine Ortsbeförderung, denn der Brief wurde in die Poststrasse weitergeleitet.
Im Verzeichnis von 1951 hat C. Lüdeke noch nicht in der Poststrasse 40 gewohnt:



Schönes Wochenende

Martin

7

Saturday, April 14th 2018, 11:47pm

mit einem kleinen Trick aus der klassischen Postgeschichte habe ich vielleicht die Antwort gefunden.

hallo Martin,

du hast nicht vielleicht, sondern die volle Lösung des Rätsels geliefert! Große Klasse :thumbsup:

Der Buchhändler Carl Lüdeke wohnte 1951 in der Grüne Str.2 und 1952 in der Poststraße 40 - und zwar bei Karl Ellmers, seines Zeichens Buchdrucker. Da bleiben keine Fragen mehr offen,

Tolle Idee mit dem digitalisierten Straßenverzeichnis. Ich kenne diese Wälzer noch aus meiner Jugend, wusste jedoch nicht, dass sie auch digitalisiert wurden.

besten Dank :thumbsup:
stampmix

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8

Sunday, April 15th 2018, 8:29am

Hallo Martin,

klasse Idee - darauf wäre ich nie gekommen, weil ich einen Ort gesucht habe.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"