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  • "bayern klassisch" started this thread

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Saturday, April 14th 2018, 11:01am

Briefe mit mangelhafter Anschrift

Liebe Freunde,

viele Sammler wundern sich immer wieder, dass Briefe an ihr Ziel kamen, obwohl die Anschrift/Adresse nicht korrekt, unvollständig, irreführend usw. war.

Als Eingangsbeispiel zeige ich einen Brief aus Aschaffenburg vom 22.10.1874 mit folgender Anschrift:

Herrn B. v. Poschinger Glasfabrick in Ob. Zwieslau

Eine vollständige Anschrift auf allen Poststücken lag im Interesse des Absenders, der sein Poststück zügig und richtig zugestellt bekommen wollte, der Post, die die ihr anvertrauten Poststücke schnell und korrekt zustellen wollte und des Empfängers, der natürlich baldigst seine für ihn bestimmte Post an seinen Wohnort vermittelt bekommen wollte.

Dennoch ist zu gewärtigen, dass aus vielerlei Gründen Adressen diesem Anspruch nicht gerecht wurden. So gab es die Anweiung an das geneigte Publikum, gerade bei kleineren, also weniger bedeutenden Orten, die man schon ein paar Meilen vom Aufgabeort gar nicht mehr kennen konnte, durch Hinzusetzung der für diesen Ort zuständigen Poststelle, des Gerichtsbezirks, oder ähnlicher, präzisierender Anmerkungen die Arbeit der Postbediensteten zu erleichtern.

Abgesehen, dass man hier auch Ob. (Abkürzung für Ober) Zwiesbau lesen könnte, gab es den Ort "Oberzwieselau" damals, in dem der Farbrikant Benekikt von Poschinger residierte.

Ein Postler muss aber gewußt haben, wohin der Brief gehörte, denn er notierte in Blaustift "Post Zwiesel", also genau die Präzisierung, die sich die Post von der Hand des Absenders gewünscht hätte. So wundert es nicht, dass der Brief erst am 24.10.1874 in Oberzwieselau ankam und Benedikt von Poschinger ihn ausweislich des Eingangsvermerks am 26.10.1874 erhielt!

Es braucht keine Zugpläne und Fahrverbindungen, um zu wissen, dass man 1874 nicht mehr lange brauchte, um innerbayerische Briefe zuzustellen.

Gerne sehe ich weitere Briefe mit dieser kleinen Besonderheit. :)
bayern klassisch has attached the following images:
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  • 005 - Kopie.jpg
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

maunzerle

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2

Saturday, April 14th 2018, 11:10am

Lieber Ralph,

Damals kannten sich die Postler halt noch aus in Bayern und was sie vor allem von den heutigen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie die Briefe auch an den Adressaten bringen wollten.
Heute braucht statt der Hausnummer 18 nur 28 zu stehen und ansonsten alles stimmen, und schon ist der Brief unzustellbar, weil das für die Herren und Damen Postbediensteten ja auch viel einfacher ist.

Liebe Grüße von maunzerle :thumbsup:
"Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

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Saturday, April 14th 2018, 11:22am

Lieber Peter,

da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus. Unlängst in der Bucht eingekauft und 2 Wochen nichts bekommen. Der Verkäufer hatte einen Zahlendreher in der Anschrift und damit eine Hausnummer, die es gar nicht hier gibt - statt bei mir zuzustellen, lief der Brief retour. Den Rest kannst du dir denken.
Liebe Grüsse vom Ralph

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